My India

Student macht sein Praxissemester in Bangalore und berichtet von seinen Erfahrungen

Sonntag, März 26, 2006

Wochenende



Freitag: Treffpunkt Moritz’ Haus. Der nette 2 Meter Hüne lud zu seinem Geburtstag in sein bescheidenes 4stöckiges Haus. Der Einladung folgten ca. 50 bis 60 Partywillige um ein wenig zu feiern. Auf der großzügigen Dachterrasse wurde nach guter alter deutscher Art gegrillt. Puten- und Rindersteaks soviel man wollte. Bei diesem Anblick funkelten so manche Augen. Nachdem ich mir dann 4 Puten- und 2 Rindersteaks reingehauen habe, ließ ich den Abend gemütlich mit einem KingFischer ausklingen. Endlich weiß ich warum man von diesem Gesöff immer einen dicken Schädel bekommt, unabhängig von der konsumierten Menge. Glyzerin ist die Antwort. Nachzulesen in jedem vernünftigen Reiseführer.
Der Samstag sollte eigentlich ruhig werden. Eigentlich! Meine zwei Kommilitonen aus Karlsruh’ kamen zu Besuch. Ich dachte an einen gemütlichen Skatabend, aber nein die Jungs konnten einfach nicht genug bekommen. So kam es, dass ich um 3 Uhr Nachts noch meine indischen Nachbarn, die ich zufällig kennen gelernt habe, losschicken musste, um Rum für Harry und Manu zu besorgen. Gegen 6 Uhr in der früh, verabschiedete sich dann der liebe Manuel um ein wenig Klobus zu fahren. Mit anderen Worten: Der unverschämte Kerl hat mein Klo vollgekotzt!!!
Am Sonntag war es dann so weit. Sebastian Armando Smolka feierte nach 4monatiger Winterpause sein Comeback. Mit 20 Gleichgesinnten trafen wir uns in der M.G. Road um unseren geliebten Hobby nachzugehen. Doch zuerst mussten wir den Wachmann bequatschen, denn das ist Militärgelände. Die indischen Kollegen leisteten gute Überzeugungsarbeit. Endlich mal wieder Rasen unter den Füßen und nach dem anstrengenden Skatabend tat es auch meinem Körper ganz gut sich mal wieder zu bewegen. Ereignisreiches Wochenende und am Mittwoch Abend geht es Richtung Goa. Schöööön!!!

Freitag, März 24, 2006

Moskitos


Elende Schnaken! Seit Tagen ärgere ich mich mit den nervtötenden Plagegeistern herum und kann nicht schlafen. Man nennt mich schon den Herrn der (Augen)ringe. Also hab ich mal unseren Office Boy losgeschickt um mir ein Moskitonetz zu besorgen. Denn wenn ich Weisbrot im Laden auftauchen würde, müsste ich wieder den 3fachen Preis bezahlen. Netz gekauft und aufgestellt, hat er gut gemacht unser Radshkomar. Sieht zwar lustig aus, Hauptsache ist aber: ich muss nicht ständig aufstehen um auf die Jagd zu gehen. Freu mich schon richtig mal wieder durchschlafen zu können...!

Dienstag, März 21, 2006

A Day in the life of...

Nachdem ich mich hier einigermaßen eingelebt habe, möchte ich euch von einem durchschnittlichen Tag in Bangalore berichten:

9.00 Uhr: Mein Wecker reißt mich aus dem Schlaf, der immer wieder von unzähligen Schnaken gestört wurde. Nachdem ich die Tür für Radsh, unseren Office Boy geöffnet habe, lege ich mich noch ne Weile hin und lese Illuminati (guuut!). Der Boss kommt eh zu spät, daher ist es nicht so schlimm. Im Bad treffe ich auf ungebetene Gäste: Kakerlaken! Na ja was soll’s dafür hab ich fließend Wasser. „Coffee Sir?“,Radsh weck mich aus meinem Tagtraum. Der Kaffee hier ist wirklich süß und wenn ich süß sage, meine ich 4 Löffel in einer Espressotasse. Arbeitstag rum, also ab in die Innenstadt. Doch zuvor muss man sich hier mit den sch*** Rikshaw Fahrern rumärgern. Der TukTuk Mensch denk sich: Den dummen Weißen zock ich jetzt mal ab. Also wird ganz frech der 3fache Preis verlangt und freundlich gegrinst. Zum Glück hat mich mein Vorgänger über Sachen wie diese aufgeklärt. Mein Tip: Entweder auslachen, das 10fache bieten oder einfach weitersuchen. Spätestens der 7. Rik Fahrer fährt mit Meter. Angekommen in der in der Brigade Road gönne ich mir hin und wieder einen leckeren Zinger Burger bei KFC. Der ist mit richtigem Hühnerfleisch und nicht wie bei McDoof (vom Boden aufgefegte Rest durch den Fleischwolf gedreht). Egal! Weiter die Strasse runter wird man dann angebettelt. Jedoch gebe ich fast nie was, denn die Frau und die Kinder müssen es daheim abgeben, damit sich Papa Schnaps kaufen kann. Klingt zwar hart, ist aber Realität. Gleiches Spiel mit den Rik Jungs auf dem Heimweg. Daheim gibt’s momentan leckere Tütensuppe: Danke dem Wasserkocher von Daheim!!! Email empfangen: Oh die Bangalore Trainees treffen sich in der ibar, nice! Beim Gemütlichen Zusammensitzen am Swimmingpool werden dann Erfahrungen ausgetauscht und Bekanntschaften geschlossen. Ich glaube man lernt nirgends wo anders so leicht nette Leute kennen wie hier. Ich einsamer Wolf weiß wovon ich spreche (arrr!!!). Witzig finde ich immer die Ansichten der unterschiedlichen Charaktere. Da gibt es die Esoterik-Freaks, die aus allem positive Energie ziehen. Sogar beim Hinternabwischen auf die indische Art (ohne Papier für die, die sich nicht auskennen). Dann gibt es noch die Indienhasser. Meist Leute im gehobenen Dienst, die schon länger hier leben und von denen Leistung in Deutschland erwartet wird. Da die Inder eine andere Arbeitsauffassung haben als wir,….. aber egal. Und schließlich gibt es noch die Leute, die die Zeit hier einfach genießen und alles nehmen wie es kommt. Ich gehöre zur 3. Kategorie. So genug geschwätzt, noch ein KingFisher hinterher und ab nach Hause. Daheim wird noch mit dem ein oder anderen geskypt, gezockt und ab ins Bett. Zuvor noch so viel Schnaken wie möglich vernichten und: GUTE NACHT!!!

Montag, März 20, 2006

Abschied (Part 1)


So, jetzt sitze ich hier allein im Office, da mich Ulrich heute Richtung Kerela verlassen hat. 2 Wochen Partymarathon gehen zu Ende. Gestern jedoch war noch mal abtanzen im Hint angesagt. Ein sehr exklusiver Club auf der obersten Etage des Bangalore Centers. Leider müssen die Clubs, auf Grund einer für mich unverständlichen Verordnung, bereits um 23.30 Uhr schließen. Egal, war trotzdem schön! Und heute ließen wir es uns mal so richtig gut gehen: Brunchen im Leela Palace, ein Hotel der Kempinski Gruppe (5 Sterne). Riesen Büffet, Live-Musik und Getränke inclusive. Und das alles zu einem Preis, den sich so ein armer kleiner Student wie ich leisten kann (ca. 22 Eujrö). Sushi, Tintenfisch, Antipasti, Käse (sonst kaum in Bangalore zu kriegen), viel Fleisch (arrr!),….. Ja und morgen melde ich mich im Fitness Studio an, weil ich mittlerweile 5 Kilo zugenommen hab. Also Mutter mach dir mal um deinen Bub keine Sorgen. Bin hier bestens versorgt.

Mittwoch, März 15, 2006

Happy Holi

Holi ist das Fest der Farben, bei dem man sich betrinkt, abfeiert und mit Farbpulver beschmeisst. Eigentlich ist es ein Nordindisches Fest, was uns nicht vom celebrieren abhielt. Muthu, unser Arbeitskollege, lud uns ein gemeinsam mit seiner Clique zu feiern. Kaum angekommen wurden wir herzlich empfangen und von Kopf bis Fuß mit Farbe eingeschmiert. Solch leuchtend freundliche Farben, dass es einen riesen Spaß gemacht hat die Leute anzumalen. Ich glaube die Bilder sprechen für sich!!!

Ab in den Dschungel


Nun war es endlich so weit, der Wochenendtrip stand vor der Tür. Freitagabend kurz vor Mitternacht. Zusammen mit 10 anderen Gesellen bestieg ich den Sprinter Nachbau und ab ging die Post. Trotz meiner kurzen Beine hatte ich kaum Platz in dieser Klapperkiste und an Schlaf war auch nicht zu denken. Um 6 Uhr morgens kamen wir schließlich im Bandipur Nationalpark an. Am Ende der laaaangen Strasse fanden wir unser Ressort. Alle waren nach dieser anstrengenden Fahrt stehend KO. Damit wir nicht im Stehen einschliefen, entschieden wir uns den Berg hinter uns zu besteigen. Unser Guid legte ein Tempo vor, das kaum einer von uns mithalten konnte. Am Ende wurden wir jedoch mit einem überwältigenden Ausblick belohnt. Unglaublic, Pavel! Fantastic, Bronko! Am hauseigenen Pool konnte man sich von den Strapazen erholen, was ich auch mit einem eiskalten Bierchen (0,65 Liter!) tat. Am Abend kam Genossen Ulrich die brillante Idee einfach mal eine Flasche Wiskey zu trinken und schauen was dann passiert. Zusammen mit Rooshad, Lena, Ulrich und Ulrichs Gitarre stimmten wir ein paar Lieder an. Ja Leute, der Sebi kann bissl singen, nicht brummen, singen! Also trällerten wir am Lagerfeuer ein Lied nach dem anderen bis in die Nacht hinein. Mein Freund Ulrich hat den Hals einfach nicht voll bekommen und musste unbedingt noch mit zwei Indern weitertrinken, was im Nachhinein nicht schlecht war. Denn am Morgen wurden wir von einem Geräusch geweckt, welches ich noch nie in meinem Leben gehört habe: Indisches Schnarchen! Hörte sich an als ob der Kerl gleich das Zeitliche segnen müsste und in einer Lautstärke (ein startender Düsenjet ist ein Schei## dagegen). Ulrich schleif als eiziger seelenruhig. Nach einigen Stunden Pool machten wir uns auf den Weg nach Hause, mit zwischenzeitlicher Safari. Aufgeteilt in 5er Teams durchquerten wir den Dschungel. Jede Menge Wild, ein Mongo, Pfauen, Papageien, sowie verschiedene Affen kreuzten unseren Weg. Leider blieb uns der Anblick von Elefanten und Tigern verwährt, da diese ein Treffen mit dem anderen 5er Trupp ausgemacht haben. Trotzdem war es ein wunderschönes Abenteuer in der Wildnis. Spaß gehabt, Ruhe genossen, super Leute kennen gelernt (Steffen der Goa- Trip steht!), freilebende Tiere gesehen. Was will man mehr?

Praktikanten Party

Gleich an meinem zweiten Abend wurden Ulrich und ich zu einer Party eingeladen. Rein in die Rikshaw und ab dafür. Leider ließ die Wegbeschreibung zu wünschen übrig. Nach 70 min Fahrt und unzähligen U-Turns entschieden wir uns zu Fuß weiter zu suchen. Nach weitern 20 Minuten herumirren trafen wir zufällig auf andere Suchende. Zusammen erreichten wir unser Ziel. Die erste Nachricht des Abends war viel versprechend: Alles für umme!!! Also ran an die Bar. Im Laufe des Abends lernt ich einige sympathische Leute kennen, jedoch auch komische, die meinten mir ihre Lebensgeschichte erzählen zu müssen. Wer mich kennt, weiß dass ich selbst nicht viel rede und auch nicht vollgelabert werden möchte. Darauf hin blieb mir nichts anderes übrig, als alle Alkoholsorten nach und nach durchzuprobieren. Hi hi hicks, „interessante Story!“ meinte ich nach dem 3stündigen Vortrag und verabschiedete mich höflich. Wie auch immer, mit ein paar netten Leuten verabredeten wir uns zu einem Trip nach Ooty, bzw. in den angrenzenden Dschungel.

Ankunft

Da bin ich
Kaum angekommen am Flughafen von Bangalore, stürmt mir schon eine Masse von Indern entgegen und hält mir irgendwelche Zettel entgegen. Nein ich bin nicht Mr. Mayer von UNICEF. Dazu kam auch noch ein aufdringlicher Taxifahrer, der mich unbedingt mitnehmen wollte. Zum Glück kam mir mein Boss Mr. Rama Chandran entgegen und entriss mich der Menschenmasse. Angekommen, nach einer etwas gewöhnungsbedürftigen Autofahrt (ich versteh das ständige, unnötige Gehupe nicht), betrat ich das Office, welches für die nächsten 6 Monate sowohl Arbeitsplatz als auch Zuhause sein wird. Sieht ganz nett aus, bis auf die sanitären Einrichtungen. Aber ich bin ja nicht zimperlich.

Im weiteren Verlauf des Tages lernte ich Ulrich, meinen Vorgänger und mittlerweile sympathischen Trinkgenossen, kennen. Dieser nette Kampftrinker führt mich nun in meine Arbeit und ins indische Nachtleben ein. Nette Clubs haben die hier, jedoch ist die Frauenquote relativ schwach. Erklärt das die hohe Homosexuellenrate unter Indiens Männern? Man weiß es nicht. Zumindest ist die Musik nach meinem Geschmack: aktuelle westliche Hip-Hop Musik. Ganz kontrovers zur ständigen lauten Beschallung in den Restaurants, ach was sag ich Restaurants, ÜBERALL! Laut ist überhaupt so ein Schlagwort hier. Ruhe findet man in dieser Großstadt selten/garnicht. Kommen wir zum Thema Mahlzeit. Da ich es gerne scharf mag, genieße ich das indische Essen. Endlich mal gut gewürzt und man schmeckt immer noch jeden Bestandteil des Gerichtes heraus. Nicht so wie in Deutschland, wo's einfach nur brennt und man nicht weiß, was man eigentlich isst. Hilfsbereit sind die Menschen hier auch und überaus freundlich. Außer beim Autofahren, aber das ist ein anderes Thema ;-)