My India

Student macht sein Praxissemester in Bangalore und berichtet von seinen Erfahrungen

Dienstag, April 25, 2006

Spontaner Ausflug

Als ich mich freitagabends gemütlich mit paar Freunden zum Essen traf, wusste ich noch nicht was mich an diesem Wochenende erwarten würde. Eine kleine Truppe von 4 Mann plante mit einem Privatfahrer nach Tholpetty und Mysore zu fahren. Natürlich schloss ich mich der Reisegruppe „Kleinbus“ an. Samstagmorgen ging es dann los. Eigentlich dachten wir unser Fahrer kennt den Weg. Spätestens jedoch als er vor einem Straßenschild stand an dem der Weg sowohl in Hindu als auch auf Englisch angeschrieben war, fragte welche Abzweigung er denn nehmen sollte, war unsere Geduld zu Ende. Nicht nur das Kumar nicht lesen konnte, keine Verkehrsregeln beachtete, den Bus malträtierte, so dass wir 2mal fast die Ölwanne abgerissen hätten, nein der gute Mann war auch noch vorlaut und rotzte alle 2 Minuten seinen Kautabak aus dem Fenster, so dass dieser schön an der Scheibe hinten kleben blieb. Mit seinem kaputten Englisch versuchte er uns weiszumachen, dass der von ihm eingeschlagene Weg auch der richtige ist: „This way Tholpetty this!“ Naja nach ca. 130 Km Umweg erreichten wir unseren Bestimmungsort, obwohl wir zwischendurch auch Einheimische nach dem Weg gefragt haben. Aber über die nichtvorhandene Intelligenz der Inder möchte ich mich heute nicht auslassen. Wie gesagt, kaum angekommen, stürmte uns auch schon eine Horde geldgeiler Safari-Kumars entgegen und fragte uns ob wir denn nicht eine Rundfahrt durch den Park machen wollten. Selbstverständlich willigten wir ein, denn immerhin war dies ein Mitgrund hierher zu fahren. Eine Unterkunft benötigten wir schließlich auch noch. Zur unserer Linken befand sich die einzige Gästebaracke im Ort. Jetzt kommt der Hammer: 1000 Rupees pro Kopf. Nur so zum Vergleich: In Goa hat die Nacht direkt am Strand nur 300 gekostet. Angebot vorübergehend abgelehnt! Also weiter zur Safari. Zur ihrer Linken sehen sie Wild, zur ihrer Rechten übrigens auch. Eine 1,70m lange Kobra haben wir noch gesehen, das war’s dann auch schon. Super Nationalpark. Bis auf die Kobra, hätte das auch der Oberwald in Rastatt geboten, sogar für umme. Egal! Nun ja, wo übernachten wir denn, war die große Frage. Nach und nach setzte sich die Meinung durch die 1000 Rupees lieber in Bier zu investieren und anschließend im Bus zu übernachten. Gesagt, getan! Wir also „somewhere in the middle of fu**ing nowhere” gemütlich unser Bierchen geschlürft und uns über die himmlische Ruhe gefreut (kein dämliches Gehupe!). Plötzlich hinter uns in der Schnapsbar Gemurmel und lautes Gelächter. Einer der Inder hätte mich beim Flaschenaufmachen mit dem Feuerzeug beobachtet und es seinen Kollegen berichtet. Ja und dann war ich die Attraktion des Dorfes. Mit dem Handy wurden noch paar Freunde hergerufen und ich zeigte ihnen noch weiter Zaubertricks. Ich bin so talentiert, dass ich Flaschen nahezu mit jedem Gegenstand öffnen kann. Kumar: „Sir, you can open the bottle with this waterbottle?“ Na sicher kann ich! Zur Belohnung durften wir in den Schnapsladen hinter die Theke und ein paar Fotos schießen. Als wir genug hatten ging’s Richtung Bus, Schiebetür bei Seite geschoben und eine Wolke übelsten Käsefußgestanks schoss uns wie ein Rammbock entgegen. Unser Fahrer hatte seine Schuhe ausgezogen… Würg, brech, ihhh! Selbst ne halbe Dose Axe Deo hat nicht geholfen. Benommen schliefen wir irgendwann ein.
Früh morgens ging es zurück nach Mysore. Angekommen, mieteten wir uns ein Zimmer, in dem wir duschen konnten. Auf der Liste der ekelhaftesten Erfahrungen in meinem Leben, bekommt diese Dusche einen Platz ganz oben. Fußpilz ole! Danach ging es Richtung City Market, wo Obst, Gemüse, Blumen und Krimskrams verkauft wurden. Nett anzusehen, aber nichts Besonderes. Weiter ging es zum Mysore Palace. Wunderschöner Palast von Tipu Sultan, einem Herrscher aus vergangenen Tagen. Typisch Touris, mussten wir natürlich auf dem Elefanten reiten. Ganz witzig aber auch nicht so aufregend. Schließlich besichtigten wir den Palast von innen. Wäre ne nette Location für ein BBQ. Am Ende unseres Trips stand die Besichtigung vom Sri Chamundeswari Tempel auf dem Chamundi Hill. Die Tempel in Indien sehen irgendwie alle gleich aus. Prachtvolle Verzierungen außen, langweiliger 08/15 Schrein innen. Selbstverständlich wurden wir auch hier penetriert irgendwelchen Schrott zu kaufen. Figuren von Göttern zum Beispiel. Kumar: „Sir, this stone!“ Natürlich ist das Stein mein weiser Freund. Hier sieht man auch die Luftlöcher vom Spritzgußverfahren, du Pappnase. Sebastian: „This is Spritzguß and no stone. Plastic! So don’t tell me shit!“ Für wie blöd halten die uns eigentlich? 150 Rupees wollte er für eine haben, ich hab ihm 50 für 4 Figuren gegeben. Man muss sich das mal als Außenstehender überlegen: Sogar die Mädels, die mit uns unterwegs sind werden nach 2 Monaten aggressiv und würden die nervtötenden Händler am liebsten vermöbeln. Wie muss es uns Kerlen dann ergehen…? Egal! Alles in allem war es ein schöner Ausflug und nächste Woche versuch ich wieder rumzukommen. Bis denn!

Mittwoch, April 19, 2006

Frühstück

Heute hab ich zum ersten mal nach 6 Wochen wieder ein gutes deutsches Frühstück gehabt. Wenn das mal keinen Webblog Eintrag wert ist, was dann? Nein heute gab’s mal kein Poori mit der scharfen roten Soße (sabji) und der noch schärferen weißen Soße (tschadni). Denn gestern bekam ich nämlich mein Päckchen aus der Heimat (nach nur 5 Wochen war es endlich da). Die gute alte Dosenwurst aus’m Aldi. Daheim würd ich sie nicht anrühren, aber hier ist es ne echte Delikatesse. Schinkenwurst, Puten Lyoner, noch irgend ne Wurst. Wie geil! Und weil es der Zufall so will hab ich heute noch Sahnekäse im Foodworld entdeckt. Wer mich kennt, weiß dass mein durchschnittlicher Sahnekäse Verbrauch pro Monat bei ca. 1,5 Kg liegt. Dazu gab es noch halbwegs essbares Brot und supersüßen Kaffee.
Guten Appetit zusammen!

Montag, April 10, 2006

Mal was für Zwischendurch


Da ich in den letzten Tagen nicht wirklich Tolles erlebt habe, berichte ich euch von so manch merkwürdigen Vorgängen hier im „Industrieland“ Indien. Anfangen möchte ich mit der Einstellung der Inder gegenüber Weißen. Und die ist nicht unbedingt positiv. An den Unis werden Vorlesungen angeboten mit Titeln wie z.B. „Wie wird die indische Kultur negativ vom Westen beeinflusst?“ In der Stadt sind viele Graffitis mit dem Schriftzug: „Down with Bush!“ zu lesen. Vor kurzem flogen Beutel mit schwarzer Farbe auf die vielen neuen Läden, die westliche Artikel verkaufen. Die Geschäftsleute schätzen uns trotzdem, bzw. unser Geld. Generell verbindet der Durchschnitts-Inder einen Weißen mit Geld. Wenn ich, so wie heute, kurz raus geh auf einen frisch gepressten Watermelon, Grape oder Mango Saft, muss ich mich mit lauter nervraubender Gestalten abgeben, bis ich mein Ziel erreiche. Als erstes kommen die Rickshaw Jungs. Die Gauner fahren einem fast in die Hacken und 10 cm hinter dir hupen sie, damit du sie ja siehst (Vorsicht ihr Herzkranken da draußen!). Und der Tag wird kommen, an dem ich einen dieser Assgeier aus seiner Klapperkiste rauszerre und ihm die Fre### polier. Ein anderer Praktikant hat es ganz treffend so beschrieben: Amerika hat Georg Bush, Afghanistan hat die Taliban und Indien die Rickshaw Fahrer. Weiter auf meinem Weg zum Saftstand werde ich dann noch angebettelt, aufgefordert jeden erdenklichen, 100% sinnfreien Schrott zu kaufen, angerempelt und beim Straßeüberqueren fast totgefahren. Nur zum Vergleich: In Deutschland gibt es ca. 2500 Verkehrsopfer pro Jahr. Bangalore allein hat 3000. Zu allem Überfluss kommt schließlich noch der Flötenjunge und läuft mir hinterher, während er immer lauter, penetrant in seine Flöte bläst. Da es schon mindestens das 6-mal war, hab ich ihm gesagt, wenn er sich nicht sofort verzieht steck ich ihm seine Flöte dahin wo’s weh tut. Plötzlich war er weg. Nachdem ich noch den Luftballon-Mann, den Socken-Mann und den Erdnuss-Mann abgewimmelt habe, erreichte ich den Saftstand, wo’s frisch gepressten Saft für umgerechnet 10 Cent gibt. Super lecker!!!
Andere Baustelle: Man ließt auch ab und zu die Indian Times und was da so drin steht ist schlimmer als bei der Bild, vor allem es ist wahr. Da wird im Dorf XY die Tochter mit einem Hund verheiratet, weil der erste Zahn oben rausgewachsen ist. Oder war’s unten…? Egal! Oder vor kurzem stand drin, dass es neue Handy Nummern gibt, bei denen man stirbt, wenn man von solchen angerufen wird. Es gab auch schon 4 Todesopfer. Also so ne Art „Bei Anruf Mord“.
Als letzte möchte ich die Sache mit der Kaste aufgreifen. Eigentlich schon seit einiger Zeit offiziell verboten, spukt das Kastengespenst immer noch in den Köpfen der Inder. Bestes Beispiel ist mein Arbeitskollege Muthu. Er gehört der höchsten Kaste, den Brahmanen, an und möchte seine langjährige Freundin, die ein Kaste unter ihm steht, heiraten. Die potenzielle Schwiegermutter hat er schon gefragt, und die ist fast in Ohnmacht gefallen. Originalzitat: „ If you will marry her, I will die!“ Heftig! Und Muthus Vater scheint noch übler drauf zu sein. Er weiß aber noch nichts von seinem Glück. So nebenbei: Muthu ist fast 27 Jahre alt und hat riesige Angst vor der Reaktion seiner Familie.
Was mir richtig Sorgen macht ist der Gedanke, dass Indien eine Atommacht ist. Ich vergleich das mal damit: Was wäre passiert, wenn der Neandertaler ein Kalaschnikov hätte?! Ma weiß es net, ma steckt net drin.
I’m out!

Dienstag, April 04, 2006

Goa / Palolem


Der eine oder andere von euch hat bestimmt schon mal was von Goa gehört. Ich versuche mal zu beschreiben wie schön es dort ist. Unsere 10 Mann starke Praktikantengruppe machte sich Mittwochabend auf den Weg nach Palolem, welches im südlichen Goa liegt. Mit 2stündiger Verspätung ging unsere holprige Busfahrt los. 2493 Schlaglöcher später kamen wir an und der Anblick, der sich uns bot war einfach nur traumhaft. Ewiglanger weißer Sandstrand von Palmen eingeschlossen. Anstatt Betonbunker gab es gemütliche 2Mann Bambushütten, die wahlweise sogar ein Bad besaßen. Das einheimische Essen, das ich aus Bangalore kannte, schmeckte langweilig und fad. Deshalb gönnte ich mir hauptsächlich Seafood. So gab es frisch gefangenen Thunfisch, Kingfisch, Riesengarnelen, Krabben und sogar einen Hummer konnte man sich vom studentischen Taschengeld leisten. In meinem Stammlokal dem ‚Rendez vous’ war es generell sehr gut. Eines Morgens beim Frühstücken sahen wir in nur 200 Meter Entfernung Delphine im Wasser herumspringen. Vor lauter Aufregung blieb mir mein superleckeres Clubsandwich im Halse stecken. Wann gibt es denn schon Delphine zum Frühstück? Ja vielleicht beim Feinschmecker ums Eck oder bei RTL2, aber nicht in freier Natur. Wo wir gerade bei Flipper sind; eine nette Bootstour hinaus aufs Meer haben wir uns auch gegönnt und zufälligerweise auch da Delphine gesehen. Schöööön! Ein weiteres Highlight war der nette Roller Ausflug an der Küste entlang. Über die Berge und durch den Dschungel fuhren wir gemütlich Richtung Norden. Unterwegs trafen wir auf einen wunderschönen alten Hinditempel, den wir besichtigen durften. Paar km weiter entdeckten wir Cabo da Gamma, ein altes Fort aus den Zeiten Vasco da Gammas, der früher mal in Goa begraben war. Die Landschaft an sich war es schon wert die hohen Temperaturen und den übelsten Sonnenbrand in Kauf zu nehmen. Die Abende in Goa verliefen relativ gediegen, da gerade Off-season ist. Entweder spielte ich mit meinen schwedischen Nachbarn Poker oder wir saßen am Strand mit Kerzen und Ulrichs Gitarre oder wir genossen unsere Cocktails bei Chillout-Musik im Cafe del Mar, der angesagtesten Bambushütte in Palolem. Ich könnte noch ewig weiterschreiben und weiterschwärmen, jedoch kann man die Bilder, die man nun im Kopf hat kaum in Wort fassen. Deshalb hör ich jetzt auch auf und sag: Fahr hin und schau’s dir an!