My India

Student macht sein Praxissemester in Bangalore und berichtet von seinen Erfahrungen

Montag, Juli 24, 2006

Party Animals

Was für ein verlustreiches Wochenende. Trölfzig Milliarden Gehirnzellen zerstört. Mein Boss Ram hat es geschafft sein versprechen einzuhalten. Naja nach 5 Monaten wird’s ja auch mal Zeit. Also machte sich BSK IT am Freitag auf den Weg ins Retro, einem neuen Schuppen, der zufälligerweise Rams alten Freund gehört. Trink discount!!! Da saßen wir nun: Ram, Muthu, Sushil und ich. Der Abend hat ja auch gemütlich angefangen mit einem Cocktail. Jedoch kamen wir aus dem philosophieren über Muthus Hochzeit nicht mehr hinaus. Je mehr wir dann getrunken haben, desto mehr wirre Gedanken kamen ans Tageslicht über Sinn und Unsinn von arrangierten Hochzeiten. Ich habe bereits berichtet, dass mein Freund Muthu mit einem Mädel aus einer anderen Kaste zusammen ist. Wie auch immer. Wir haben ordentlich einen reingelassen, so dass Mr. M. Würfelhusten bekam (im Retro, vorm Retro und daheim in den Eimer). Mr. R. ist barfuss heim gekommen, seine Flip Flops blieben auf der Strecke. Mir ging’s zum Glück nicht ganz so schlecht, daher konnte ich schöne Beweisfotos schießen. Haha!
Das fatale an diesem Wochenende war, dass am Samstag die legendäre Hitiki House Party anstand. Diese Party war mein Einstieg im März, wo ich soooo viele Leute kennen gelernt habe und die eine oder andere Freundschaft ihren Anfang fand. So endet auch mein Aufenthalt hier in B-Lore; ein gutes Ende. Die Party war auch dieses mal ein voller Erfolg. So ca. 100 Leute aus aller Welt versammelten sich um Unmengen von Alkohol und Sportzigaretten zu konsumieren, dabei abzutanzen und die Neuen willkommen zu heißen. Bis in die frühen Morgenstunden wurde gefeiert. Gegen 13.00Uhr bin ich dann aufgewacht. Meine ersten Gedanken waren: Wo bin ich hier? Was mache ich mit 2 anderen Kerlen im Bett? Wie kam der Hubschrauber hier ins Zimmer (Insider)? – Es waren zum Glück nur Dirk und Chris. Nach 3 Kaffee und 10 Liter Wasser ging es uns einigermaßen wieder gut. Nun ist auch wieder gut mit abfeiern. Aber die nächste Party kommt bestimmt…

Dienstag, Juli 04, 2006

Indien eine kommende Weltmacht?

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich daheim und las mir mal wieder im Internet Artikel aus dem Wirtschaftsteil durch. Indien, neue Industriemacht; Computerinder…; Greencards; usw. Da hatte ich noch so ein Bild von Indien im Kopf: Wow da wächst etwas Großes heran, das vielleicht sogar mit den USA konkurrieren könnte. Eine neue zweite Supermacht.
Jetzt nach vier Monaten in Bangalore, dem Silicon Valley Indiens, der Hochburg der IT Industrie denke ich etwas anders und zwar: Sind wir wirklich so dumm und glauben jeden Mist der uns erzählt wird? Leider ja. Warum hatte ich noch vor kurzem Angst später nach dem Studium keinen Arbeitsplatz zu finden, weil mir irgendein superschlauer Computerinder diesen vor der Nase wegschnappen würde. Aber nachdem ich das hier alles live miterlebt habe, mache ich mir darüber keine Gedanken mehr. Hier hat fast jeder Zweite einen MBA (Master of Business Administration) vorzuweisen. Aber diesen Titel, für den man im geliebten Schland ackern muss, bekommt man hier für ein paar Rupees oder eine Masala Dosa hinterher geschmissen. Die Inder sind so stolz und überheblich was die Entwicklung hier angeht. Aber worauf? Die Investoren sind doch wir. Europäer, Amis,… Kennt den jemand ein indisches Unternehmen, dass ein Global Player ist?
Wenn die Inder hier in B-Lore nicht umdenken geht diese Stadt den Bach runter. Keiner kümmert sich um die Probleme dieser Stadt. Ach was sag ich, es gibt überhaupt keine Probleme hier. Es heißt immer: „No Problem, Sir!“ Ein Beispiel: Wir sollten eine Fußbadetasche entwerfen und produzieren lassen. Habe unserem Hersteller eine genaue Zeichnung gegeben, mehrere Gespräche geführt und nach 3! Wochen kam er dann. Bringt er mir doch allen ernstes ein mini Kinderplanschbecken und pumpt es fröhlich vor mir auf. Frage ich ihn was das sein soll. Meint er dass er das gefertigt habe. Darauf erwidere ich: Aber da steht doch MADE IN CHINA drauf. –Schweigen- Als ich ihn dann schließlich runtergeputzt habe, schaute er mich nur verwundert an. Dieser unfähige Holzkopp braucht 3 Wochen um ein Planschbecken zu kaufen, will mich verarschen und ist dann auch noch beleidigt wenn man deutlich wird. Das war kein Einzelfall.
Lasst mich euch einen indischen Arbeitstag schildern. Der typische Durchschnittskumar kommt 30-60 min zu spät. Dann stempelt er ab und geht erstmal eine Stunde frühstücken. Als er an seinem Arbeitsplatz ankommt werden grundsätzlich private Emails uns SMS verschickt. Das war so anstrengend, dass er erstmal eine halbe Stunde Kaffeetrinken geht. Da wundert es uns Westler nicht, dass viele Inder bis spät in die Nacht arbeiten. Aber produktiv ist diese Art von Arbeiten nicht. Dazu will ich hier sagen, dass das keine Erfindungen sind nur um euch zu belustigen. Ich habe hier viele arbeitende Leute kennen gelernt. Dazu gehören jede Menge Bosch’ler, ein Teamleiter von Siemens, IBM’ler, Teamleiter vom Flughafen, Metro Teamleiter,…. Und immer wieder bekommt man die gleichen Geschichten zu hören. Der am häufigst gehörte Satz war dabei: „Was für ein blödes Volk!“ Sorry liebe Inder aber ihr könnt es einfach nicht mit uns aufnehmen. Wir sind toll, ihr nicht! Merkt euch das und fangt endlich an hier aufzuräumen, sonst stirbt die Stadt in 10 Jahren.
Diese Stadt ist so was von dreckig, laut und unverschämt. Müll liegt überall rum, aber es stört keinen. Dieser Müll wird auch tagtäglich verbrannt. Atemraubende Rauchschwaden gepaart mit den Abgasen von 80.000 Rickshaws. Yummi, da lässt’s sich gut durchatmen. Dann das ständige rumgehupe. Wie ich gehört habe ist es hier in B-Lore am schlimmsten. Keine Rücksicht, kein Garnix! Deshalb passiert es auch dass wir Westler uns im täglichen Straßenkampf zur Wehr setzen müssen. Da wird schon mal der Lakshmi vom Fahrrad getreten, der Rickshaw Gangster aus der Rick gerissen und einmal kräftig geschüttelt und lautstarke Wortgefechte gibt es täglich. Aber sie raffen es einfach nicht. Und wenn die Stadt weiterhin so rasant wächst, bricht der Verkehr vollkommen zusammen. Aber wie gesagt: „No Problem, Sir!“
Wenn man über den Gehweg geht, darf man nie gerade aus schauen sondern muss immer auf den Boden vor sich gucken. Denn überall sind Löcher im Wehweg und man könnte leicht reinfallen (gell Ulrich). Und das offene Abwassersystem ist die Krönung. Ihr müsst euch das so vorstellen. Es fließt ein Fluss durch Bangalore und dieser Fluss besteht aus Fäkalien und Müll. Wenn die Sonne scheint, riecht es immer besonders gut. Aber noch nie habe ich einen Inder die Nase rümpfen sehen. Warum? Mögen die den Geruch? Sind die bisschen pervers. Aber bei deren Körpergeruch wundert mich das nicht. Die weniger Gebildeten, zu deren Gruppe leider auch unser Officeboy gehört, kennen kein Deo. Ich mein es ist schon geil morgens frisch geduscht und nach dem Frühstück neben dem zu stehen. Eau de Toilett im wahrsten Sinne des Wortes.
Wenn ich schon am lästern bin, nehm ich mir mal die unfähigen Politiker vor. Diese korrupten Schmierbeutel (ohne Schmiergeld geht hier nichts) und der noch korruptere Police Commissioner haben eine Sperrsunde für alle Clubs, Pubs und Bars verhängt. Zum Schutze der Bevölkerung. Klar passiert nachts weniger, aber wenn alle daheim eingesperrt sind, kann auch nix passieren. Letzte Woche wurde dann auch beschlossen alle Außenbezirke von Cafes zu schließen. Begründung: Wegen Lärmbelästigung (mich zerreißt’s gleich). In unserem Stammcafe versteht man kaum sein eigenes Wort, weil die unzähligen Ricks ihre Runden in der Stadt drehen. Wie wäre es mal mit einer autofreien Zone hier und baut endlich eure verdammte Metro, ihr hirnlosen Verbrecher!
Ich könnt noch ewig so weiter schreiben über die riesigen Unterschiede über Arm und Reich, über Kinderarbeit, über das immer noch vorhandene Kastensystem,….aber ich muss mich jetzt mental auf unseren Halbfinalsieg vorbereiten.
Aber sonst ist es hier ganz toll…. Nein das war gelogen. Bangalore ist scheiße! Aber zum Glück hat Indien noch so viel Schönes zu bieten, das man genießen kann. Deshalb reg ich mich kaum noch auf über diese Missstände hier. In weniger als 2 Monaten hock ich wieder im wunderschönen, organisierten, weltmeisterlichen und gerechten Deutschland.


S’Lebbä in Indien isch halt koi Bollywoodfilm!


Tschö mit Ö